Die neue Hauptverwaltung des ThyssenKrupp-Konzerns entsteht in Essen auf historischem Boden: 1819 wurde an der Altendorfer Straße der Kern
der Gussstahlfabrik angelegt. Die Baumaßnahmen im Rahmen des Projektes "ThyssenKrupp Quartier" boten erstmals die Gelegenheit, großflächig
unterirdische industriearchäologische Relikte zu dokumentieren. Archäologen und Denkmalpfleger waren dabei, wie selten zuvor, gezwungen, ihre
Arbeitsmethoden den Gegebenheiten auf der Baustelle anzupassen. Dabei blieb wenig Zeit, die notwendigen, oftmals komplizierten Dokumentationen
hinreichend durchzuführen.
Die Entwicklung der ehemaligen Krupp'schen Gussstahlfabrik steht stellvertretend für eine Vielzahl aktueller und zukünftiger Dokumentationsaufgaben, nicht nur im Kontext der aktuell notwendigen Weiterentwicklung industrieller Brachen und des damit einher gehenden regionalen Strukturwandels, sondern darüber hinaus auch in vielfältigen anderen Wandlungsprozessen.
Das Kolloquium Denkmäler3.de, veranstaltet durch die Hochschule Bochum, die Fachhochschule Mainz, den Landschaftsverband Rheinland/Rheinisches Amt für Bodendenkmalpflege, den LWL - Archäologie für Westfalen, das Institut für Denkmalschutz und Denkmalpflege/Stadtarchäologie Essen, die Denkmalbehörde Dortmund und die Arbeitskreise Nahbereichsphotogrammetrie sowie Bildanalyse und Bildverstehen der Deutschen Gesellschaft für Photogrammetrie, Fernerkundung und Geoinformation, findet auf dem Gelände des Weltkulturerbes Zeche Zollverein, im Gebäude der Zollverein School, in der Zeit vom 5. bis zum 7. November 2008 statt. Es bietet in- und ausländischen Wissenschaftlern die Gelegenheit zu einem intensiven fachlichen Austausch.
In Vorträgen und Diskussionsrunden sollen drängende Fragestellungen zur Dokumentation in der Archäologie erörtert und diskutiert werden. Themen, wie
stellen nur einen Auszug möglicher Beiträge dar.
In Nachfolge des Kolloquiums Denkmäler 3D, das vom 6.-8. November 2003 im Ruhrlandmuseum in Essen stattfand, bietet Denkmäler3.de den Vortragenden der technischen Disziplinen die Möglichkeit zur Präsentation aktueller technologischer Entwicklungen. Denkmalpfleger und Archäologen finden eine Plattform vor, um sich über modernste Möglichkeiten bei der Dokumentation und Rekonstruktion von industriearchäologischen Relikten, Industriedenkmälern und -gebäuden und dem Stand der Forschung im internationalen Vergleich zu informieren.
Ziel des Kolloquiums ist es, den derzeitigen Stand der Dokumentation von Bau- und Bodendenkmälern zu erörtern, neue Ansätze und Entwicklungen aus diesem interdisziplinären Arbeitsgebiet vorzustellen, Lösungsansätze für die praktische Nutzung aufzuzeigen und zukünftige Entwicklungen und Verfahren anzuregen.
Eine begleitende Fachausstellung mit Entwicklern, Geräteherstellern und Dienstleistern aus dem Bereich optischer 3D-Messtechnik (z. B. Laserscanning, Photogrammetrie, Streifenprojektion etc.), Geoinformation sowie Grabungsfirmen rundet die Tagung ab.
Die wissenschaftliche Disziplin, die sich mit Fragen der Industriekultur und Industriedenkmalpflege beschäftigt, bezeichnet man international als Industrial Archaeology (Industriearchäologie). Der Begriff wurde 1955 in England geprägt, nachdem 1927 der Ingenieur Conrad Matschoss als Direktor des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) Technikgeschichte auch auf die Industriedenkmäler ausgedehnt hatte. Gemeint ist ein Forschungszweig, der sich mit der Erfassung, Erforschung, Interpretation und im gewissen Umfang auch mit der Erhaltung der gegenständlichen Überlieferung gewerbe- und industriebezogener Artefakte, Anlagen und Systeme in ihrem kulturellen und historischen Kontext beschäftigt und Anlagen und mechanische Einrichtungen in ihrer Gesamtheit umfasst.
Damit greift diese Definition weit über das hinaus, was gemeinhin unter Archäologie verstanden wird, nämlich die Erfassung, Erforschung und Interpretation von oberirdisch nicht erhaltenen Denkmälern.
Als Forschungsgebiet hat die Industriearchäologie das Ziel, die von ihr erfassten und dokumentierten Artefakte von Gewerbe-, Industrie- und Verkehrentwicklung im Kontext der Technik-, Wissenschafts-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte darzustellen. Mit der Erfassung und Dokumentation der gegenständlichen Überlieferung aus der Geschichte von Gewerbe, Industrie und Verkehr leistet die Industriearchäologie im Bereich der technischen Denkmäler einen Beitrag zur allgemeinen Denkmalpflege. Technische Denkmäler sind dabei alle Denkmäler der Produktions- und Verkehrgeschichte, wie handwerkliche Produktionsstätten mit ihrer Ausstattung, industrielle und bergbauliche Anlagen, Maschinen und Modelle, Verkehrsbauten und Transportmittel sowie Kommunikations- und Infrastruktureinrichtungen mit ihren zugehörigen Anlagen.
Aufgrund des speziellen Gegenstandsbereiches und der für seine Erforschung notwendigen vielfältigen Grundlagen und methodischen Verfahren handelt es sich bei der Industriearchäologie um einen interdisziplinären Wissenschaftsbereich, zu dem Archäologie, Bau-, Architektur- und Technikgeschichte, Volkskunde, Wirtschafts-, Sozial und Kulturgeschichte sowie die Baudenkmalpflege gehören.
* Auszug aus dem gemeinsamen FE-Antrag der Veranstalter "Räumliches Informationssystem zur Erfassung, Dokumentation und Analyse industriearchäologischer Objekte (RIO)"
Die Förderung erfolgt durch das BMBF im Rahmen des Förderprogramms FHprofUnd.